Kaumuskelmyositis - Autoimmunerkrankung beim Hund Ursachen, Symptome und Behandlung
- Marina Heumann-Männel

- vor 5 Stunden
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Die Kaumuskelmyositis (kurz: MMM) ist eine Autoimmunerkrankung, die fast ausschließlich bei Hunden vorkommt. Dabei greift das Immunsystem fälschlicherweise die eigenen Kaumuskeln an – also jene Muskeln, die für das Öffnen und Schließen des Mauls verantwortlich sind.Ohne rechtzeitige Behandlung kann die Erkrankung schleichend chronisch werden und zu dauerhaften Einschränkungen führen.
Was passiert im Körper?
Bei der Kaumuskelmyositis bildet der Körper Antikörper gegen spezielle Muskelfasern, die fast nur in den Kaumuskeln vorkommen.Diese sogenannten 2M-Fasern werden durch die Immunreaktion geschädigt – die Folge sind Entzündungen, Schmerzen und Schwellungen im Kopfbereich.
Das Krankheitsbild kann akut oder chronisch verlaufen. Die Unterscheidung ist wichtig, da sie über den Verlauf und die Prognose entscheidet.
⚡ Die akute Form
In der akuten Phase steht die Entzündung im Vordergrund.Der Hund zeigt oft plötzlich:
Beidseitige Schwellung im Bereich von Schläfen und Wangen
Schmerzen beim Kauen oder Öffnen des Mauls
Futterverweigerung oder eingeschränkte Futteraufnahme
Vergrößerte Unterkieferlymphknoten und häufig auch geschwollene Mandeln
Teilweise Fieber oder allgemeine Mattigkeit
Wird die Erkrankung frühzeitig erkannt und behandelt, sind die Heilungschancen in dieser Phase sehr gut. Die Entzündung kann gestoppt werden, bevor bleibende Schäden entstehen.
🕒 Die chronische Form
Bleibt die Kaumuskelmyositis unbehandelt oder wird zu spät erkannt, kommt es zum Abbau der Muskulatur.Das Körpergewebe ersetzt die zerstörten Muskelfasern durch Bindegewebe, das sich nicht mehr zusammenziehen kann.
Typische Folgen sind:
Eingefallenes Gesicht („Fuchsgesicht“)
Versteifung der Kaumuskulatur
Das Maul lässt sich kaum noch öffnen (Maulsperre)
Dauerhafte Einschränkungen beim Fressen und Trinken
In dieser Phase ist die Erkrankung nicht mehr vollständig heilbar. Das Ziel liegt dann in der Linderung der Beschwerden und dem Erhalt der noch vorhandenen Beweglichkeit.
🧬 Welche Hunde sind häufiger betroffen?
Grundsätzlich kann jeder Hund erkranken, doch bestimmte Rassen zeigen eine höhere Anfälligkeit.Dazu zählen insbesondere:
Deutsche Schäferhunde
Retriever-Rassen (z. B. Labrador, Golden Retriever)
Dobermänner
Cavalier King Charles Spaniel (oft bereits im Welpenalter)
In Studien (u. a. Evans et al., 2004) wurde eine genetische Veranlagung vermutet.Je jünger der Hund bei Ausbruch der Erkrankung ist, desto schwerer verläuft sie häufig.
🩺 Wie wird die Kaumuskelmyositis behandelt?
Die Behandlung erfolgt zunächst tierärztlich, meist mit:
Kortison (Glukokortikoiden) zur Entzündungshemmung
Immunsuppressiva bei schweren oder wiederkehrenden Fällen
Regelmäßigen Kontrolluntersuchungen, um Rückfälle früh zu erkennen
Je früher die Therapie beginnt, desto besser kann das Fortschreiten aufgehalten werden.
💆♀️ Unterstützung durch Physiotherapie
Physiotherapie spielt eine wichtige Rolle in der unterstützenden Behandlung.Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, Beweglichkeit zu erhalten und Kieferversteifungen vorzubeugen.
Hilfreiche Maßnahmen sind:
Sanfte Mobilisation der Kiefergelenke
Wärmetherapie zur Muskelentspannung
Vorsichtige Massagen zur Verbesserung der Durchblutung
Gezielte Kauübungen mit weichen Kauartikeln, um die Funktion der Muskulatur zu fördern
Funktionserhalt, da ein echter Muskelaufbau in der Regel nicht mehr möglich ist
Eine enge Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und Tierphysiotherapeut ist entscheidend, um den Hund bestmöglich zu unterstützen.
Mein Fazit:
Die Kaumuskelmyositis ist selten, aber ernst.Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser sind die Chancen, bleibende Schäden zu vermeiden.Während Medikamente die Entzündung kontrollieren, hilft die Physiotherapie, Beweglichkeit, Komfort und Lebensqualität des Hundes zu erhalten.
Wenn dir bei deinem Hund Schwellungen im Kopfbereich, Futterverweigerung oder Probleme beim Öffnen des Mauls auffallen, such bitte frühzeitig den Tierarzt auf.Früherkennung kann entscheidend sein, um den Krankheitsverlauf zu bremsen.




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